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Luftqualität: Gesundheit durch neue Standards schützen

Hohe Risiken für akute und chronische Krankheiten durch Feinstaub und Stickstoffdioxid

Hannover/Brüssel, 28.10.2022. Die Gefahr ist unsichtbar: Luftverschmutzung ist ein großer umweltbedingter Risikofaktor für die Gesundheit und besonders bedrohlich für Menschen mit Vorerkrankungen, Kinder, Ältere, Schwangere und sozial benachteiligte Menschen. Luftverschmutzung: Das ist die Belastung der Luft mit Feinstaub sowie gasförmigen Schadstoffen wie Ozon, Stickstoffdioxid und anderen flüchtigen organischen Verbindungen.

Anlässlich der aktuellen Revision der EU-Richtlinie über Luftqualität unterstreichen die AOK Niedersachsen und die Health and Environment Alliance (HEAL) nun, diese Gesundheitsrisiken stärker zu berücksichtigen und die rechtlich bindenden Luftqualitätsstandards den WHO-Richtlinien anzupassen.

Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen: „Luftqualität spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit. Niemand kann sich aussuchen, welche Luft er einatmet. Deshalb sind politische Regularien hier grenzübergreifend – und eng an die Wissenschaft angelehnt – wichtig.”

Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid können zu kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall führen und erhöhen das Risiko für Lungenerkrankungen wie COPD und Asthma erheblich.

  • Allein 335.000 Niedersachsen über 40 Jahren leiden an COPD (7,3 Prozent der ü40-Jährigen).
  • Circa 350.000 Niedersachsen leiden an Asthma (4,4 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung).
  • Rund 20.000 Personen in Niedersachsen erleiden pro Jahr einen Herzinfarkt.
  • Rund 27.000 Personen in Niedersachsen erleiden pro Jahr einen Schlaganfall.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2021 nach jahrelanger intensiver Forschung und internationaler Beratung neue Leitlinien zur Luftqualität veröffentlicht. Dafür wurden alle verfügbaren Studien analysiert. Die neuen WHO-Empfehlungen sehen deutlich niedrigere Höchstkonzentrationen für die wichtigsten Luftschadstoffe vor – insbesondere für Feinstaub und Stickstoffdioxid.

Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung sind in der EU rund 660.000 vorzeitige Todesfälle auf Luftverschmutzung durch Feinstaub (PM 2,5) zurückzuführen. [1] Die Europäische Umweltagentur schätzt die Zahlen etwas geringer und geht für das Jahr 2019 von etwa 310.000 vorzeitigen Todesfällen aufgrund von Feinstaubbelastung aus. Im Durchschnitt verliert jeder Europäer wegen schlechter Luftqualität mehr als zwei Lebensjahre. Es wird geschätzt, dass die Zahl der vorzeitigen Todesfälle um mindestens 58 Prozent reduziert werden könnte, sollten die neuen WHO-Empfehlungen für Feinstaub (PM 2,5) eingehalten werden. [2]

Auch das Niedersächsische Umweltministerium weist grundsätzlich darauf hin, dass Luftschadstoffe beim Menschen zu akuten Beeinträchtigungen oder chronischen Schädigungen der Atemwege und anderer Organe führen können. Der jüngste Jahresbericht zur „Luftqualitätsüberwachung in Niedersachsen” kommt für 2021 zu dem Ergebnis, dass im Hinblick auf die Verbesserung der Luftqualität in den letzten Jahrzehnten viel erreicht wurde, aber im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung auch für die nächsten Jahre weiterhin Handlungsbedarf zur Verbesserung der Luftqualität in Niedersachsen besteht. Dies betrifft insbesondere auch Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub (PM 2,5 und PM 10).

„Der wissenschaftliche Erkenntnisstand zu Gesundheitsauswirkungen von Luftverschmutzung ist eindeutig. Sie schadet der Gesundheit, und das schon bei niedrigsten Konzentrationen. Umgekehrt bringt die Reduktion von Luftverschmutzung nahezu sofortige Gewinne, reduziert akute und chronische Erkrankungen und die Belastung des Gesundheitssystems“, so AOK-Chef Dr. Jürgen Peter.

Der Vorschlag der EU-Kommission zur Revision der Richtlinie über Luftqualität und saubere Luft in Europa geht der Health and Environment Alliance angesichts der Dringlichkeit und des Ausmaßes der Gesundheitsauswirkungen und -kosten nicht weit genug, erklärt Anne Stauffer, Stellvertretende Direktorin bei HEAL: „Luftverschmutzung ist das größte umweltbedingte Risiko. Diesem Risiko zu begegnen erfordert politischen Willen, um die Gesundheit sofort und langfristig zu schützen. Leider war die Europäische Kommission mit ihren Vorschlägen zu zaghaft. Nun müssen das Europäische Parlament und die Mitgliedsstaaten Gesundheitsschutz an erste Stelle setzen, um Leben zu retten und Krankheiten vorzubeugen. Dies muss geschehen durch die vollständige Angleichung an die aktualisierten WHO-Empfehlungen bis spätestens 2030 und mit einem starken Rahmenwerk, das Grenzwerte und politische Durchsetzungsmechanismen einschlieβt.“

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Notes:

Über die AOK Niedersachsen

Die AOK ist die größte Krankenversicherung in Niedersachsen (Marktanteil 38 Prozent). Über 2,9 Millionen Versicherte können sich auf den Schutz einer starken Gemeinschaft verlassen. Zwischen Nordsee und Harz ist die Gesundheitskasse an über 100 Standorten vertreten. Die AOK beschäftigt landesweit rund 6800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Haushaltsetat beträgt in der Kranken- und Pflegeversicherung rund 14 Milliarden Euro.

Über HEAL

Die Health and Environment Alliance (HEAL) ist die federführende Nichtregierungsorganisation zum Thema Gesundheitsauswirkungen von Umweltverschmutzung in der Europäischen Union (EU) und auf globaler Ebene. Zu den über 90 Mitgliedsorganisationen von HEAL gehören internationale, europäische, nationale und lokale Gruppen von Gesundheitsfachkräften, gemeinnützige Krankenversicherer, Patienten-, Bürger-, Frauen-, Jugendorganisationen und UmweltexpertInnen. HEAL vertritt mehr als 200 Millionen Menschen in den 53 Ländern der WHO Europa-Region. Als Allianz bringt HEAL wissenschaftliche und unabhängige Expertise in EU- und globale Entscheidungsprozesse ein, mit dem Ziel der Krankheitsprävention und einer giftfreien, CO2-armen und gesunden Zukunft.

1  https://academic.oup.com/eurheartj/article/40/20/1590/5372326

2  https://www.eea.europa.eu/publications/air-quality-in-europe-2021/health-impacts-of-air-pollution

Pressekontakt:

Stefanie Ohlendorf, Telefon: 0511 8701 10010, E-Mail: Stefanie.Ohlendorf@nds.aok.de

Johannes-Daniel Engelmann, Telefon: 0511 8701 10013, E-Mail: Johannes-Daniel.Engelmann@nds.aok.de
Elke Zander, Telefon: +32 487 596 539, E-Mail: elke@env-health.org